Weinbau bedeutet immer das Arbeiten mit der Natur. Und dazu gehört, die eigenen Weinlagen mit all ihren Eigenschaften genau zu kennen. Auch wenn der Hauptteil unserer Lagen sich auf dem Gemeindegebiet von Sommerach befindet, haben wir Mitglieder, die in den Spitzenlagen von Escherndorf und Wiebelsberg Reben bewirtschaften. Der Escherndorfer Lump ist dabei eine der bedeutendsten fränkischen Lagen, während der Wiebelsberger Dachs am Steigerwald schon auf Keuper steht – einer unserer Geheimtipps. Im Katzenkopf als unserer wärmsten Lage lesen wir immer am frühesten. Eine Woche später folgt der Dachs und wiederum eine Woche später lesen wir unsere kühlsten Escherndorfer Lagen. Das alles prägt auch die Weinstilistik. Ganz klar: Die Lage macht’s! Die Beschreibung unserer Lagenweine findet ihr hier.
Bei den Lagenbezeichnungen in Sommerach orientieren wir uns am sogenannten romanischen System, wie es im Burgund praktiziert wird. Die einfachste Stufe sind Gutsweine, die aus unterschiedlichen Gemeinden stammen können. Darüber stehen Ortsweine aus den einfacheren Lagen in Sommerach. Eigene Bezeichnungen erhalten die Lagenweine aus Ersten Lagen, wie sie schon vor über 100 Jahren berühmt waren. Ganz oben stehen die Großen Gewächse aus besonders privilegierten Parzellen und alten Reben mit niedrigem Ertrag.
Katzenkopf
Großes Gewächs
Der Katzenkopf ist die historische Spitzenlage von Sommerach. Als im Rahmen des Deutschen Weingesetzes die Lagennamen neu geordnet wurden, hat man deshalb den Namen „Katzenkopf“ gleich für 182 Hektar Rebfläche um Sommerach herum benutzt. Der originale Katzenkopf ist jedoch viel kleiner und befindet sich am äußersten Rand des Sommeracher Gemeindegebiets. Hier ist es steil, steinig und heiß – ideal für Traminer und Weißburgunder.
Lagenname:
Katzenkopf
Klassifikation:
Großes Gewächs
Ausrichtung:
West-Südwest
Geologie:
Oberer Muschelkalk, steinig, oben Tonmergel
Mikroklima:
heiß, frühreif
Rebsorten:
Traminer, Weißburgunder, Riesling
Der originale Katzenkopf ist unsere heißeste und früheste Lage. Da scheint auch abends noch die Sonne auf die Steine. Einen Teil davon nannten unsere Vorfahren die „Häßen“, also die „Heißen“. Hier reift auch in schlechten Jahren alles aus. Aber man muss aufpassen und punktgenau lesen, damit die Reife nicht in Überreife kippt.
Wilm
Großes Gewächs
Der Wilm wurde schon auf den frühesten Preislisten unserer Genossenschaft immer ganz oben angesiedelt. Wer dort Reben stehen hatte, konnte am meisten erlösen. Im Prinzip. Denn der steinig-muschelkalkige Untergrund im Wilm zwingt zu niedrigen Erträgen. Und zu alten Reben, denn die dringen mit ihren tiefen Wurzeln am besten durch die Gesteinslücken.
Lagenname:
Wilm
Klassifikation:
Großes Gewächs
Ausrichtung:
Südwest
Geologie:
Oberer Muschelkalk, oben reiner Kalkstein
Mikroklima:
warm, steingeprägt
Rebsorten:
Silvaner
Der Wilm besitzt eine ganz eigene Stilistik. Die Weine von dort werden nie so goldgelb wie in Katzenkopf oder Augustbaum, sondern besitzen immer markant rauchige Töne. Für Silvaner ist das die absolute Spitze, zumal wir dort nicht nur alte Reben, sondern auch alte Silvanerklone stehen haben. Ein echter Charakterwein.
Tiefes Thal
Großes Gewächs
Das Tiefe Thal ist eine Besonderheit unter den Sommeracher Premiumlagen. Die kleinste und kühlste unserer Lagen lugt mit ihrem oberen Teil schon in den Sandsteinkeuper hinein. Wir haben im Tiefen Thal alte Reben mit den geringsten Erträgen stehen. Das schafft Weine mit Marathonausdauer.
Lagenname:
Tiefes Thal
Klassifikation:
Großes Gewächs
Ausrichtung:
Süd-Südwest
Geologie:
Oberer Muschelkalk bis Unterer Keuper, Keupersandstein
Mikroklima:
Kühler trotz der Ausrichtung, gut durchlüftet
Rebsorten:
Silvaner
Das Tiefe Thal wird gern unterschätzt. Zum einen steht es weiter oben am Hang und weit vom Main entfernt. Zum anderen wirken die Weine jung vielleicht ein wenig abweisend. Aber nach drei bis vier Jahren kommt der Charakter mit seinem straffen Zug richtig durch. Das Tiefe Thal ist mein persönlicher Geheimtipp.
Im Berg
Erste Lage
Der „Berg“ wurde schon auf den frühesten Preislisten immer als besondere Lage genannt. Er liegt nicht nur dem Namen nach entsprechend höher, sondern weist auch eine andere Muschelkalkform mit Kalkmergel und Tonmergel im Untergrund auf. Nebel gibt es hier nie – der Berg garantiert freie Sicht.
Lagenname:
Im Berg
Klassifikation:
Erste Lage
Ausrichtung:
West-Südwest bis Süd-Südwest
Geologie:
Oberer Muschelkalk, Tonmergel, Kalkmergel
Mikroklima:
Warm, hohe Einstrahlung, kein Regenstau
Rebsorten:
Silvaner
Der Berg liegt oberhalb vom Augustbaum, ist also die etwas kühlere Lage. Hier kommt der Muschelkalk stärker an die Oberfläche. Wenn man die Erträge niedrig hält, ist der Berg in feuchten Jahren besonders interessant, weil die Trauben weiter oben lange gesund bleiben. Und die Mineralik schwingt immer mit.
Augustbaum
Erste Lage
Im Augustbaum ist der muschelkalkige Einfluss gebremst durch eine dickere, sandig-tonige Bodenauflage. Nur ganz oben, im „Hahn“ genannten Stück, tritt der Muschelkalk wieder rein zutage. Der Silvaner aus dem Augustbaum erhält durch diese Konstellation einen kräftigen Körper mit samtiger Struktur.
Lagenname:
Augustbaum
Klassifikation:
Erste Lage
Ausrichtung:
Südwest
Geologie:
Oberer Muschelkalk, sandig-tonige Auflage
Mikroklima:
Warm, ausgewogen
Rebsorten:
Silvaner
Der Augustbaum ist ein wenig freundlicher zu den Reben. Im Vergleich mit Wilm und Katzenkopf ist der Boden nicht nur tiefer, sondern insgesamt fruchtbarer. Dadurch haben die Reben mehr Zeit auszureifen, weil die Reife nicht so rasant abläuft. Für mich steht der Augustbaum für Harmonie.
Rothenbühl
Erste Lage
Der Rothenbühl befindet sich am Ostrand der Sommeracher Lagen. Er ist dadurch immer kühler und erhält mehr Morgen- als Abendsonne. Unser Spätburgunder liebt so etwas. Wie im Burgund, befinden sich dabei im mittleren Teil des Hanges die besten Bedingungen.
Lagenname:
Rothenbühl
Klassifikation:
Erste Lage
Ausrichtung:
Süd bis Süd-Südost
Geologie:
Dreigeteilt: untere Züge Flugsand, darüber Oberer Muschelkalk, ganz oben Sandsteinkeuper
Mikroklima:
Kühler, exponiert auch nach Osten
Rebsorten:
Spätburgunder
Früher hieß es, man könne in Sommerach keinen guten Spätburgunder machen. Da habe ich gefragt, „hat es denn überhaupt schonmal jemand probiert?“ Der Rothenbühl ist jetzt der beste Beweis dafür, dass es funktioniert. Hier gibt es genügend Humus im Boden, und es ist nicht zu heiß. Mein Lieblings-Weinberg.