Wir denken anders - Eine Genossenschaft neu gedacht
Wein ist ein Produkt, das Elemente von Natur und Kultur miteinander vereint. Ohne die Natur würden die Trauben nicht wachsen, ohne Kultur würde daraus schlicht Essig werden. Das Arbeiten mit der Natur, der bewusste Umgang mit ihr, prägt unsere Arbeit seit 125 Jahren. Dabei ist Wein nicht ein Business für uns, sondern ein ganz wichtiger Teil unseres Lebens.
Um uns daran zu erinnern, was wir tun, warum wir es tun und wie wir es tun, haben wir uns zusammengesetzt und drei „Regeln“ aufgestellt. Dabei sollten aber keine Sprechblasen herauskommen, sondern wirkliche Inhalte. Inhalte, mit denen wir uns identifizieren und die eine Bedeutung für unsere tägliche Arbeit haben.
1. Wir denken in Generationen
Wir arbeiten täglich mit der Natur. Das soll auch in der nächsten Generation noch so sein. Um dabei am Ball zu bleiben, sind wir Fair’n Green-zertifiziert.
Weinbau ist Dauerkultur. Wenn wir heute einen Rebstock setzen, bleibt der für Jahrzehnte stehen. Nachhaltigkeit als gelebtes Prinzip. Da gehört es schlicht dazu, heute schon an morgen und übermorgen zu denken. Oder an die nächste Generation.
Es uns deshalb nicht schwergefallen, uns nachhaltig zertifizieren zu lassen. Jedes Jahr werden wir von Fair’n Green geprüft. Dabei geht es um die drei Säulen der Nachhaltigkeit: ökologisch, ökonomisch und sozial.
Ökologisch betrifft besonders den Weinberg. Wir arbeiten beispielsweise ohne Herbizide oder mineralischen Stickstoffdünger, und unser Strom kommt nur aus regenerativen Quellen. Ökonomische Nachhaltigkeit ist allein deshalb wichtig, weil alles andere nichts nützt, wenn der Betrieb pleite geht. Und soziale Nachhaltigkeit betrifft unser Miteinander, faire Regeln, guten Arbeitsschutz.
Klickt hier, wenn ihr mehr über die Fair’n Green-Zertifizierung erfahren wollt.
Viele Kleine schaffen gemeinsam etwas Großses
Nur wenige unserer Mitgliedsfamilien könnten vom Weinbau allein leben, wenn sie darauf angewiesen wären. Zu klein sind die Rebflächen, zu groß wären Investitionen in Maschinen und Kellertechnik. Indem wir uns solidarisch zusammenschließen, können wir alles teilen, effizient einsetzen. Auf diese Weise besitzen wir auch die Power, in eurem Supermarktregal, bei eurem Weinhändler und in eurem Lieblingsrestaurant zu stehen. Einzeln könnten wir das nie schaffen.
Während der Weinlese summen und brummen Dorf und Weinberge. Da spüren wir jedes Mal direkt, was viele Hände alles bewirken. Wie groß die Schlagkraft einer Genossenschaft sein kann. Ein wichtiges Gemeinschaftsevent für uns, das den inneren Zusammenhalt stärkt.
Wir bewirtschaften insgesamt 200 Hektar Rebfläche rund um Sommerach herum, aber auch auf der anderen Mainseite in Escherndorf oder in Wiebelsberg am Steigerwald. Die Parzellen sind unterschiedlich steil, haben eine unterschiedliche Ausrichtung zur Sonne, sind lehmig, sandig, kalksteinig. Alles ist dabei.
Die spätere Weinqualität ist dabei eine Mischung aus der Lage und dem jeweiligen Winzerehrgeiz. Unser Kellermeister Stefan Gerhard legt gemeinsam mit den betroffenen Mitgliedern weit vor der Ernte fest, welcher Wein aus ihren Trauben wird. Denn bei uns hat jeder Wein seinen Weinberg.
Wer ein Großes Gewächs herstellen möchte, muss vorher im Weinberg eine Menge Handarbeit erledigen. Schließlich garantieren nur gute Trauben auch guten Wein. Im Keller lässt sich nichts mehr richten.
Klickt hier, um unsere Wengerte und ihre Weine kennenzulernen.
Wein hat ein Gedächtnis. Er merkt sich glühende Hitze, Kühle, neblige Morgen. Jede Jahreszeit wird konserviert. Ein guter Önologe fühlt sich während der Reife in die Trauben hinein, erinnert sich an frühere Jahrgänge, hat immer das Idealbild des künftigen Weins auf der Zunge. Den perfekten Lesetag spüre ich eher mit meinen Sinnen, die Laborwerte sind da nur Hilfsmittel.
Seit Gründung der Genossenschaft am 18.12.1901 stehen Gemeinwohl und Miteinander an erster Stelle. Die Eigentümer der Winzergenossenschaft sind ihre Winzerfamilien selbst. Bei uns gehört allen alles - völlig unabhängig von investivem Kapital. Verantwortung, Wertschätzung und bedachtes Wirtschaften sind für uns deshalb keine leeren Begriffe, sondern wir leben danach. Nach all den Jahren ist die Genossenschaftsidee immer noch verblüffend frisch, und ich bin froh, dass wir so denken.